Die Empfehlungen des Bildungskonvents

Der Bildungskonvent hat im Juli 2010 seine Abschlussdokumentation mit den bildungspolitischen Empfehlungen für das Land Sachsen-Anhalt vorgelegt. Alle Empfehlungen wurden mit weit mehr als der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossen.

 

Frühkindliche Bildung

Der Bildungskonvent empfiehlt, dass alle Kinder, unabhängig von sozialer Herkunft und Beschäftigungsstatus ihrer Eltern, einen Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung in einer Kindertagesstätte erhalten sollen. Zusätzlich sollten Angebote zur flexiblen Nutzung des wöchentlichen Stundenvolumens entwickelt werden, um den verschiedenen Lebenssituationen in den Familien Rechnung zu tragen.
Im Hinblick auf eine bessere Vorbereitung auf die Schule sollen Bildungsmaßnahmen im letzten Kindergartenjahr für alle Kinder zugänglich sein. Darüber hinaus wurde empfohlen, im Rahmen einer Qualifizierungsoffensive alle Erzieherinnen und Erzieher kontinuierlich fortzubilden und die Ausbildung stufenweise auf ein akademisches Niveau zu heben.

 

Fördern und Fordern als pädagogisches Grundprinzip

Der Konvent empfiehlt, den Unterricht an unseren Schulen frühzeitig auf eine individuelle Förderung in integrativer Form auszurichten, um die Potentiale aller Schülerinnen und Schüler besser zu entwickeln. Der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf soll schrittweise zur bevorzugten Form der institutionalisierten Förderung in Regelschulen entwickelt werden. Dafür sollen die entsprechenden Voraussetzungen und Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Der Bildungskonvent erachtet die Arbeit der pädagogischen Mitarbeiter/-innen für unverzichtbar und empfiehlt die bedarfsgerechte Ausweitung des Einsatzes auf alle Schulformen. Schulische Ganztagsangebote sollen bedarfsgerecht ausgebaut werden. Die Schulsozialarbeit muss integraler Bestandteil moderner pädagogischer Arbeit an allen Schulen werden.

 

Berufsbildende Schulen

Der Konvent spricht sich für eine Sicherung der Schulstandorte aus. Mittel- und langfristig soll ein möglichst flächendeckendes wohnort- bzw. betriebsnahes Angebot berufsbildender Schulen erhalten werden. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sollen die Mindestvorgaben zur Klassenbildung regelmäßig angepasst werden. Im Hinblick auf eine effiziente Klassenbildung wird die Konzentration von Angeboten an ausgewählten gemeinsamen Standorten bzw. die Schaffung der Rahmenbedingungen zur Einrichtung von Mischklassen in Berufen eines Berufsbereiches empfohlen. Ausgehend von Forderungen nach einem intensiveren Praxisbezug in Schule und Ausbildung, einer verbesserten Berufsvorbereitung sowie nach verstärkter Zusammenarbeit in der beruflichen Aus- und Weiterbildung empfiehlt der Konvent, berufsbildende Schulen künftig stärker als Kooperationspartner von Schulen, Unternehmen, Kammern, Hochschulen und Bildungsträgern zu profilieren.

 

Schulbau und Schulsanierung

Es wird empfohlen, die Sanierung bestandsfähiger und stark sanierungsfähiger Schulen bis zum Ende der EU-Förderperiode im Jahr 2013 abzuschließen. Darüber hinaus sollen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Schulträgern konkrete Rahmenbedingungen für bedarfsgerechte Schulsanierungen im Land nach dem Jahr 2013 geschaffen werden. Dabei sind auch alternative Finanzierungsvarianten in Betracht zu ziehen.

 

Lehrerbildung

Im Hinblick auf eine Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs sowie auf die Gewinnung und Beratung geeigneter Bewerber empfiehlt der Bildungskonvent ein pädagogisches Orientierungspraktikum vor Beginn eines Lehramtsstudiums und regt an, die Einrichtung eines freiwilligen sozialen Jahres in Kindertagesstätten und Schulen zu prüfen. Außerdem wird in Verantwortung der Universität ein ausbildungsbegleitender Bildungsberatungsprozess empfohlen. Vor dem Hintergrund des zu erwartenden Lehrermangels gilt es, die Zugangsmöglichkeiten für Quereinsteiger auszubauen. Der kompetente Umgang mit Heterogenität im Unterricht wird als wesentliche Voraussetzung für den Lernerfolg eines jeden Schülers erachtet.
Darüber hinaus spricht sich der Konvent für eine stärkere Praxisorientierung der Ausbildung sowie eine Stärkung der Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften aus. Diesbezüglich wird empfohlen, in den neuen Zielvereinbarungen mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg das Zentrum für Lehrerbildung als Leiteinrichtung und Koordinationsstelle für die Lehrerbildung zu profilieren. Ebenso wird angeregt, für die Organisation der Lehrerbildung an der Universität ein eigenes Prorektorenamt einzurichten. Zur Optimierung der Eintrittsphase in den Lehrerberuf werden die Entwicklung eines Mentorensystems und eine befristete Unterrichtsstundenreduzierung empfohlen. Weitere Empfehlungen betreffen die Verpflichtung zu kontinuierlicher Fortbildung, die Erstellung adressatenbezogener schulinterner Fortbildungspläne, die Einführung eines Fortbildungsbudgets an den Schulens owie die systematische Schulleiterfortbildung.

 

Strukturelle Entwicklungen im Schulsystem

Der Konvent empfiehlt, die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen und -laufbahnen in alle Richtungen deutlich zu verbessern.
Innerhalb der Sekundarschule sollte, bei Beibehaltung der unterschiedlichen Abschlüsse, die äußere Differenzierung zwischen Haupt- und Realschulunterricht vermieden werden.
Man verständigte sich darauf, das Bildungssystem Sachsen-Anhalts für das längere gemeinsame Lernen weiter zu öffnen. 

Einrichtung von Sekundarschulen mit erweitertem Aufgabenprofil

Der Bildungskonvent empfiehlt, Sekundarschulen mit erweitertem Aufgabenprofil einzurichten. Insbesondere soll eine technische, wirtschaftliche und berufsorientierende Profilierung in Zusammenarbeit mit berufsbildenden Schulen und Einrichtungen der Wirtschaft erfolgen. Es wird weiterhin empfohlen, als inhaltlichen Schwerpunkt eine gezielte Förderung zum anschließenden Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung anzubieten. nach Meinung der Konventmitglieder kann die so erweiterte Schulform gerade in dünn besiedelten ländlichen Räumen die Erlangung aller Schulabschlüsse unter einem Dach ermöglichen.

 

Innere Schulreform und Qualitätsentwicklung

Der Konvent spricht sich für eine stärkere Eigenverantwortung der Schulen aus. So sollen die Schulen nach Meinung der Konventmitglieder stärkere Entscheidungsrechte bei der Gestaltung der Schul- und Unterrichtsorganisation erhalten. Der Konvent empfiehlt, dass Schulen künftig flexibler mit den Studentafeln umgehen können und insbesondere bei der Ausschreibung von Stellen, der Auswahl der Bewerber und der Einstellung von Lehrkräften ein größeres Mitspracherecht erhalten. Außerdem sollen Schulen künftig mit einem Budget arbeiten können.
Empfohlen wird darüber hinaus ein verbindlicher Orientierungsrahmen für die Schulen, eine regelmäßige interne und externe Evaluation schulischer Arbeit und eine stärkere Einbeziehung außerschulischer Erfahrungswelten.