Gebt jedem Kind Chancen

Die Kluft zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft nimmt zu. Armut wird vererbt. Soziale Ungleichheiten werden zementiert, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird. Qualität in der frühkindlichen Bildung und gute Betreuungsangebote sind ein Weg, den sozialen Folgen der Kinderarmut – von der Sachsen-Anhalt überproportional betroffen ist – zu begegnen.

Der Grundstein für eine erfolgreiche Bildungsbiografie wird in den ersten Lebensjahren gelegt. Herkunftsbedingte Benachteiligungen können hier frühzeitig ausgeglichen werden. Gemeinsames Lernen soll nicht nur länger andauern, sondern auch früher beginnen. Chancengleichheit bedeutet: Beste Bildung für alle von Anfang an. Damit verbunden ist das Bekenntnis, dass Kindertagestätten Bildungsstätten sind beziehungsweise sich dazu entwickeln müssen.


Folgende Punkte sollen die Chancen für alle Kinder verbessern:

1. Jedes Kind hat Anspruch auf bestmögliche Bildung, Erziehung und Betreuung! Dieser Anspruch muss für alle Kinder und im gleichen Umfang realisiert werden, sollen hier nicht Bildungsgerechtigkeitsdefizite fixiert werden. Jedes Kind soll daher künftig einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in einer Kindertageseinrichtung haben. Schrittweise wollen wir für alle Kinder einen Ganztagsanspruch festschreiben. Begonnen werden soll ab dem Jahr 2008 mit der erweiterten Betreuung im letzten Jahr vor dem Schuleintritt auch für die Kinder, die nur einen Halbtagsanspruch haben.

2. Kindertagesstätten sollen in ihrer Bildungsfunktion anerkannt und deutlich gestärkt werden. Dazu gehört insbesondere, das vorhandene Bildungsprogramm "Bildung: elementar - Bildung von Anfang an" fortzuschreiben. Die konkrete Ausgestaltung der Bildungs- und Erziehungsarbeit muss in den Kindertagesstätten selbst erfolgen. Sie hängt entscheidend von den Entwicklungspotenzialen des jeweiligen Kindes und der spezifischen pädagogischen Konzeption der betreffenden Einrichtung ab. Zur Umsetzung dessen werden den Einrichtungen ab dem Jahr 2008 zusätzlich je zwei Vor- und Nachbereitungsstunden pro Woche gewährt.

3. Kindertagesstätten sollen schrittweise und am jeweiligen Bedarf vor Ort orientiert zu Kinder- Eltern-Zentren weiterentwickelt werden. Sie sollen zu Zentren werden, in denen Eltern Angebote zum Austausch mit anderen Eltern oder mit Pädagogen oder anderen Fachleuten erhalten, in denen sie praktische Hilfen bei der Bewältigung von Problemsituationen oder Konflikten in Anspruch nehmen können. Dort sollen künftig bereits bestehende regionale Angebote der Familienhilfe, der Familienberatung und der Familienbildung trägerübergreifend vernetzt und so den Eltern leichter zugänglich gemacht werden. Dies bedingt nicht zuletzt, die Mitwirkungs- und Mitgestaltungsrechte der Eltern an den Kindertageseinrichtungen auszuweiten.

Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.

Benjamin Franklin (1706-90)


4. Aus der erweiterten Bildungsfunktion der Kindertagesstätten erwachsen beträchtliche neue berufliche Anforderungen für das im Elementarbereich tätige pädagogische Personal. Die bisherige Breitbandausbildung ist nicht mehr ausreichend. In naher Zukunft soll an der Fachhochschule Magdeburg- Stendal ein berufsbegleitender Studiengang zur Weiterbildung der Leiterinnen und Leiter von Kindertageseinrichtungen eingerichtet werden. Langfristig soll die Erzieher- und Erzieherinnenausbildung internationalen Standards angepasst und schrittweise auf Hochschulniveau gebracht werden.

5. Wie jedes andere pädagogische Berufsfeld ist die Elementarbildung und -erziehung auf eine beständige Verbesserung der von ihr entwickelten Konzepte und verwendeten Instrumentarien angewiesen. Deshalb soll die in den Kindertagesstätten erzielte Bildungsqualität regelmäßig und fachkundig evaluiert werden, um den Pädagoginnen und Pädagogen bestmögliche Hilfestellung für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit und Impulse für eine stete Weiterentwicklung ihrer Arbeit mit den Kindern zu geben.

6. Die ersten Lebensjahre eines Kindes sind von Übergängen geprägt, für deren Bewältigung jedes Kind Anspruch auf Unterstützung hat. Deshalb soll die Schnittstelle am Übergang der Kinder vom Kindergarten in die Schule durch Kooperation der Einrichtungen und Einbeziehung der Eltern besser gestaltet werden. Dazu muss auch das Bildungsprogramm "Bildung: elementar – Bildung von Anfang an" in der Grundschule weitergeführt und konsequent umgesetzt werden. Das bedeutet konkret, dass Erzieherinnen und Erzieher und Lehrerinnen und Lehrer im Sinne der bestmöglichen Entwicklung eines Kindes zusammenarbeiten müssen.

7. Wenn das Angebot qualitativ und quantitativ ausreichend entwickelt ist, könnte – langfristig gesehen – über eine Beitragsfreiheit für die gesamte Kindergartenzeit nachgedacht werden. Damit würde die frühkindliche Bildung in ihrer Beitragsfreiheit der Schulbildung gleichgestellt werden.