Meinungen


Thema "Länger gemeinsam lernen"

Beitrag vom 27.04.2009



Sehr geehrte Damen und Herren,

ich, U.D., bin selbständig tätig, Mutter von 3 1/2 Kindern, glücklich verheiratet und stehe mitten im Leben. Endlich hat mal jemand ausgesprochen, was alle, zumindest die ich kenne und die im östlichen Teil Deutschlands wohnen, denken und wissen. Da kann man ja nur applaudieren.
Pisa weiß es schon lange und wir auch. Ich bin selbst im Sozialismus aufgewachsen und zur Schule gegangen und weiß sehr wohl der Vor- und auch Nachteile des alten Schulsystems. Meine große Tochter ist jetzt 9 Jahre alt und muss leider noch das neue westliche Schulsystem tragen und ertragen.
Dieses Durcheinander von Buch zu Buch, von Lernmethoden, fehlende Aufmerksamkeit durch Sitzen in Grüppchen auch in Mathe und Deutsch (weil einer mal wieder, wie jedes 2. Jahr eine angeblich innovative Idee hatte), 1000 Kopiervorlagen und kein Lehrbuch, Schulstress ohne Ende und dann wieder ewig frei, keine optimale Verteilung von Ferien und Lernen, Lehrer, die sich nicht für die Kinder einsetzen, weil es Ihnen egal ist, Förderung von Lernstarken, wenig für Lernschwache, aber die Mitte interessiert niemanden.
Jede Aktivität, jede Organisation, Probleme beim Lernen und, und, und... bleiben an uns Eltern hängen. Wir sollen bezahlen und machen. Der Lehrer dirigiert. Wir machen es gern für unsere Kinder. Aber warum haben die Lehrer keine Lust mehr??? Das Schlimmste ist für uns die 4. Klasse, die jetzt auf uns zukommt. Jetzt wird entschieden, ob meine Tochter zur leistungsstarken Gesellschaft gehören wird oder zur leistungsschwachen. Mit 9 Jahren. Das kann und will ich nicht verstehen. Da wird eben früh die Spreu vom Weizen getrennt. Wieder eine Trennung von der besten Freundin und vom Freundeskreis. Da wird der Egoist und Einzelgänger, der sich durchboxt gefördert, nicht der teamfähige so vielgepriesene, intelligente Jugendliche von morgen, mit Spaß an der Schule und Freude am Lernen. Die Kinder können einem nur leid tun. Mein Sohn kommt dieses Jahr zur Schule und ich hoffe, dass er Glück hat und endlich ein einheitliches Schulsystem eingeführt wird (mit einheitlichen Büchern). Wir als Eltern werden trotzdem alles geben, um (allein) unsere Kinder zu fördern, alles zu organisieren und ihnen die Freude am Lernen und an der Schule so lange wie möglich zu erhalten!!!
Vielen Dank für den tollen Beitrag! Unsere Stimme ist Ihnen sicher. Leider hat fast niemand dieses kleine Heftchen gelesen.



Schule oder Wissensdienstleister?
(eine interdisziplinäre Kritik am bundesrepublikanischen Schulsystem)

Beitrag vom 04.05.2009



Man muss es in Erinnerung rufen: Bis zur französischen Revolution von 1789 war für fast ein Jahrhundert Preußen mit seinem berühmten König Friedrich II. an der Spitze der Hort der liberalen Aufklärung in Europa – betreffs der Organisation der Gesellschaft und des Staates wie auch der Wissenschaften. Besonders der aufklärerische, preußische Protestantismus erstrebte in unglaublich weitsichtiger Weise den friedlichen Zusammenschluss der globalen menschlichen Gesellschaft überhaupt – wie man das in dem Schrifttum Immanuel Kants, dem herausragenden Philosophen Preußens, proklamiert findet.
Nach Friedrich dem Großen wurden die preußischen Könige wieder fundamentalistisch fromm und die preußische Aneignung der deutschen Kaiserkrone 1871 bedeutete die Hinwendung zu reiner Machtpolitik, nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt. Doch blieb die preußisch-protestantische Liberalität in den Wissenschaften noch einigermaßen intakt bis hin zu dem geistigen Umbruch, der sich aus der Umwandlung der staatlichen Strukturen (Abschaffung der Monarchie etc.) infolge des verlorenen Ersten Weltkrieges ergab. Das bestimmende neue, aber zweifellos negative Element war nunmehr nach 1918 der zur Maxime erhobene Pluralismus. Der Fundamentalismus trat also von nun an in der Gestalt des Pluralismus auf, der Palaver-Pluralismus, um es genauer zu definieren. Der Palaver-Pluralismus als die westliche Form des reaktionären Fundamentalismus ist durch die nationalsozialistisch geprägte Generation beträchtlich gefördert worden.
Dieser Pluralismus breitete sich verständlicherweise auch in der Wissenschaft aus und dominiert die Gesellschaft bis heute. Die zentralen Fragen, die im Blick auf das Gemeinwohl der globalen Welt insgesamt alle Gruppierungen (Parteien, Standesorganisationen, Stiftungen, Gewerkschaften, Vereine usw.) angehen, bleiben unerörtert, ja ihre Behandlung wird möglichst ohne Aufsehen mit allen Mitteln verhindert. Diese gesellschaftliche Entwicklung wird in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert noch gravierender dadurch, dass alle Gruppierungen weiterhin alles verheißen und versprechen dürfen, ohne entschieden kritisiert zu werden. Diese negative Tendenz wird noch verstärkt durch die Aufblähung des Bildungssektors in dieser selben Zeit: Die prosperierende bundesrepublikanische Wirtschaft der 50er- bis Mitte der 80er Jahre begünstigte z. B. die Installation unzähliger Lehrstühle für periphere Fächer, während die zentralen Fächer, wie etwa die Theologien, verschult werden (Schaffung von „kirchlichen Hochschulen“ !). In Bayern wurde beispielsweise das wissenschaftlich-theologische Hochschulpersonal in etwa verzwölffacht!