Meinungen
Thema "Länger gemeinsam lernen"
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich, U.D., bin selbständig tätig, Mutter von 3 1/2 Kindern, glücklich
verheiratet und stehe mitten im Leben. Endlich hat mal jemand
ausgesprochen, was alle, zumindest die ich kenne und die im östlichen
Teil Deutschlands wohnen, denken und wissen. Da kann man ja nur
applaudieren.
Pisa weiß es schon lange und wir auch. Ich bin selbst im Sozialismus
aufgewachsen und zur Schule gegangen und weiß sehr wohl der Vor- und
auch Nachteile des alten Schulsystems. Meine große Tochter ist jetzt 9
Jahre alt und muss leider noch das neue westliche Schulsystem tragen und
ertragen.
Dieses Durcheinander von Buch zu Buch, von Lernmethoden, fehlende
Aufmerksamkeit durch Sitzen in Grüppchen auch in Mathe und Deutsch (weil
einer mal wieder, wie jedes 2. Jahr eine angeblich innovative Idee
hatte), 1000 Kopiervorlagen und kein Lehrbuch, Schulstress ohne Ende und
dann wieder ewig frei, keine optimale Verteilung von Ferien und Lernen,
Lehrer, die sich nicht für die Kinder einsetzen, weil es Ihnen egal
ist, Förderung von Lernstarken, wenig für Lernschwache, aber die Mitte
interessiert niemanden.
Jede Aktivität, jede Organisation, Probleme beim Lernen und, und, und...
bleiben an uns Eltern hängen. Wir sollen bezahlen und machen. Der
Lehrer dirigiert. Wir machen es gern für unsere Kinder. Aber warum haben
die Lehrer keine Lust mehr??? Das Schlimmste ist für uns die 4. Klasse,
die jetzt auf uns zukommt. Jetzt wird entschieden, ob meine Tochter zur
leistungsstarken Gesellschaft gehören wird oder zur leistungsschwachen.
Mit 9 Jahren. Das kann und will ich nicht verstehen. Da wird eben früh
die Spreu vom Weizen getrennt. Wieder eine Trennung von der besten
Freundin und vom Freundeskreis. Da wird der Egoist und Einzelgänger, der
sich durchboxt gefördert, nicht der teamfähige so vielgepriesene,
intelligente Jugendliche von morgen, mit Spaß an der Schule und Freude
am Lernen. Die Kinder können einem nur leid tun. Mein Sohn kommt dieses
Jahr zur Schule und ich hoffe, dass er Glück hat und endlich ein
einheitliches Schulsystem eingeführt wird (mit einheitlichen Büchern).
Wir als Eltern werden trotzdem alles geben, um (allein) unsere Kinder zu
fördern, alles zu organisieren und ihnen die Freude am Lernen und an
der Schule so lange wie möglich zu erhalten!!!
Vielen Dank für den tollen Beitrag! Unsere Stimme ist Ihnen sicher.
Leider hat fast niemand dieses kleine Heftchen gelesen.
Schule oder Wissensdienstleister?
(eine interdisziplinäre Kritik am bundesrepublikanischen Schulsystem)
Man muss es in Erinnerung rufen: Bis zur französischen Revolution von
1789 war für fast ein Jahrhundert Preußen mit seinem berühmten König
Friedrich II. an der Spitze der Hort der liberalen Aufklärung in Europa –
betreffs der Organisation der Gesellschaft und des Staates wie auch der
Wissenschaften. Besonders der aufklärerische, preußische
Protestantismus erstrebte in unglaublich weitsichtiger Weise den
friedlichen Zusammenschluss der globalen menschlichen Gesellschaft
überhaupt – wie man das in dem Schrifttum Immanuel Kants, dem
herausragenden Philosophen Preußens, proklamiert findet.
Nach Friedrich dem Großen wurden die preußischen Könige wieder
fundamentalistisch fromm und die preußische Aneignung der deutschen
Kaiserkrone 1871 bedeutete die Hinwendung zu reiner Machtpolitik, nicht
nur in Europa, sondern in der ganzen Welt. Doch blieb die
preußisch-protestantische Liberalität in den Wissenschaften noch
einigermaßen intakt bis hin zu dem geistigen Umbruch, der sich aus der
Umwandlung der staatlichen Strukturen (Abschaffung der Monarchie etc.)
infolge des verlorenen Ersten Weltkrieges ergab. Das bestimmende neue,
aber zweifellos negative Element war nunmehr nach 1918 der zur Maxime
erhobene Pluralismus. Der Fundamentalismus trat also von nun an in der
Gestalt des Pluralismus auf, der Palaver-Pluralismus, um es genauer zu
definieren. Der Palaver-Pluralismus als die westliche Form des
reaktionären Fundamentalismus ist durch die nationalsozialistisch
geprägte Generation beträchtlich gefördert worden.
Dieser Pluralismus breitete sich verständlicherweise auch in der
Wissenschaft aus und dominiert die Gesellschaft bis heute. Die zentralen
Fragen, die im Blick auf das Gemeinwohl der globalen Welt insgesamt
alle Gruppierungen (Parteien, Standesorganisationen, Stiftungen,
Gewerkschaften, Vereine usw.) angehen, bleiben unerörtert, ja ihre
Behandlung wird möglichst ohne Aufsehen mit allen Mitteln verhindert.
Diese gesellschaftliche Entwicklung wird in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhundert noch gravierender dadurch, dass alle Gruppierungen weiterhin
alles verheißen und versprechen dürfen, ohne entschieden kritisiert zu
werden. Diese negative Tendenz wird noch verstärkt durch die Aufblähung
des Bildungssektors in dieser selben Zeit: Die prosperierende
bundesrepublikanische Wirtschaft der 50er- bis Mitte der 80er Jahre
begünstigte z. B. die Installation unzähliger Lehrstühle für periphere
Fächer, während die zentralen Fächer, wie etwa die Theologien, verschult
werden (Schaffung von „kirchlichen Hochschulen“ !). In Bayern wurde
beispielsweise das wissenschaftlich-theologische Hochschulpersonal in
etwa verzwölffacht!